durch das land der skipetaren Fahrradtour Balkan 2011
10.000 Höhenmeter und 6 Länder in 8 Tagen
Mazedonien-Kosovo-Albanien-Montenegro-Kroatien-(Bosnien Herzegowina)

Michael und Christian im Juli 2011

15.7. 20 km

Ankunft in Skopje mit leichter Verspätung gegen Mitternacht. Zusammenbau der Räder direkt bei der Gepäckausgabe im Flughafen. Die Zöllner wollen uns erst aus dem internen Bereich raus haben, lassen uns dann aber gewähren. Vom Flughafen in die Stadt gibt es erst mal nur ein Stück Autobahn. Wir sind irritiert und fragen verschiedene Leute; alle sprechen deutsch. Schließlich fahren wir 2-3 km Autobahn bis zur ersten Abfahrt. T-Shirt Temperaturen und der Duft von reifenden Feigen weit nach Mitternacht. Kleine Läden und eine Bäckerei sind geöffnet, wir kaufen ein fettiges Blätterteigstück mit Käsefüllung. Die ebenfalls einkaufenden Polizisten möchten gerne unseren Pass sehen. Wir essen auf einer Parkbank; Hochzeitsmusik nebenan. Ein bisschen Balkanbeat mit griechischen oder türkischen Elementen. Unsere vorbestellte Unterkunft gefunden, Leute rausgeklingelt, ein kleines stickiges Zimmer und wir schlafen sofort ein.

Sa 16.7. 80 km Skopje - Preval



Im Hostel bezahlen wir den Restbetrag in Euro. Durch die Stadt; ein großes Reiterstandbild zeigt uns wo wir die Hauptstraße verlassen müssen. Eine ruhige kleine Straße führt parallel zu Bahn und Fluss nach Westen in Richtung Tetovo. Eine Schildkröte kreuzt die Straße; wir halten an und tragen sie schnell rüber. Pause auf einer Wiese. Ein Aprikosenbaum hat gerade noch 5 Früchte dran, die wir ernten. Kaffeepause in der Ortschaft Rushe; 2 feine Espressi und kühles gut schmeckendes Wasser. Einer der alten Männer am Tisch nebenan lässt sich kaltes Wasser aus einem Gartenschlauch über die Füße laufen. Ich ziehe meine Schuhe aus und tue es ihm nach. Wir kommen ins Gespräch. Auch hier wird deutsch gesprochen, denn die Gastarbeiter aus Deutschland sind für die Sommerferien nach Hause gekommen. Einer davon ist Herr Fizziri, Hausmeister der Walddorfschule in Berlin Kladow. Er lässt es sich nicht nehmen, unsere 2 Kaffees zu bezahlen. Gegenüber steht ein Mercedes mit offener Kofferraumklappe zum Direktverkauf von Melone, Tomate, Paprika und Zwiebel. Links von uns ist noch eine Panzerabwehrkanone am Straßenrand eingebaut. In der Öffentlichkeit sind fast keine Frauen und Mädchen zu sehen, auf den Kaffeetischen nirgendwo Alkohol. Fast in jeder Ortschaft gibt es eine neue Moschee.

Die kleine asphaltierte Straße endet als Sackgasse in einem Dorf. Wir sollen zurück und die erste sich bietende Abzweigung nach links nehmen. Diese entpuppt sich als ein unscheinbarer steiler und steiniger Feldweg. Mein Vorderrad will nach oben ausbrechen und ich habe Angst, mich auf den Steinen hinzulegen. Also schieben. Es ist sehr heiß, ich bin erschöpft und muss mich hinlegen.



Schon nach kurzer Zeit wird die Piste wieder besser; etwa alle halbe Stunde begegnet uns ein Auto und jedes Mal werden wir verwundert gefragt, wo wir hin denn wollen. Ein paar kleine Orte mit Läden, Friedhöfen, Moscheen und Trinkwasserbecken und wir kommen auf die perfekt ausgebaute Straße zur Grenzstation von Golocice. Nach knapp 50 km sind wir im Kosovo. Überall begegnen uns Autos mit deutschen Nummernschildern. Camp Europa 92 wäre hier eine mögliche Unterkunft. Eine lange Abfahrt bevor wir auf die Straße nach Westen kommen. Ich bin fix und fertig. Meine Beine haben noch Kraft, aber der Rest des Körpers will nicht mehr. Ich hechle nach Luft und mir ist leicht übel. Wahrscheinlich zu wenig gegessen/ getrunken/ Pause gemacht und kurz vor dem Hitzekoller.

Etwa 2 km vor Strpce wartet Christian an einer Tankstelle mit angeschlossenem Restaurant. Ich bestelle eine Cola und dann einen Kamillentee - und schließlich doch noch eine Portion Makkaroni mit Käse. Ein junger Mann von der Tankstelle kommt, er hätte zwei Jahre in Berlin gearbeitet, in Strpce gäbe es keine Unterkunft, "da gibt es nur Serben", aber einer der Männer hier könnte uns mit seinem VW Bus nach Prevalac bringen, da gäbe es genügend Unterkünfte. Wir willigen ein und handeln den Fahrpreis von 25 auf 20 € runter. Der Fahrer hält erst bei einem ordentlichen 50 € Hotel und meint, 1-2 km weiter gäbe es einen Campingplatz mit wesentlich günstigeren Unterkünften; also weiter. Obwohl der Fahrer ständig sagt, wir sollten uns beeilen, er habe keine Zeit, übernimmt er die Suche nach einer Übernachtungsmöglichkeit und präsentiert uns schließlich einem älteren Ehepaar, das uns für 20 € ihr Gästezimmer in einer kleinen Blockhütte überlässt. Wir können uns kaum verständigen. Der Mann ruft seine in der Nähe lebende Tochter an, die so sehr österreichisch spricht, dass ich sie kaum verstehe. Sie versichert uns, dass wir bei ihren Eltern in guten Händen sind. Aber diesen Eindruck hatten wir eh schon.

Wir gehen noch mal runter zum Restaurant des Campingplatzes, wo wir für 2 € heiß duschen können. Der Besitzer der Anlage lädt uns ein, sich an seinen Tisch zu setzen. Er arbeitet meist in Genf und macht Gipsarbeiten. Wir sprechen perfekt in Französisch. Er erklärt uns sein Geschäftsimperium, von der Campingplatzidee bis zum Müllrecycling, Parkraumbewirtschaftung in Prizren, dem Aufstellen von Parkbänken für ältere Menschen und der Produktion von Käse mit 200 Kühen und Schafen. Ein sehr umtriebiger und engagierter Mensch. Er spendiert uns ein Glas Wein bzw. ein Bier, gefolgt von einer Käseplatte und panierten Champignons. Sehr lecker!



So 17.7. 65 km Preval-Kukes

Wir sind auf 1515 m Höhe am Rande des Sarr Gebirges und haben gut 20 km rauschende Abfahrt nach Prizren rein vor uns. Schon 10 km vor der Stadt finden sich zahlreiche Restaurants an der Wiese neben dem Fluss an der Straße, teilweise mit Pool. Offensichtlich wollen viele abends und am Wochenende aus dem Ort raus, denn die Stadt liegt im Talkessel wo es stickig und heiß ist. In der Schlucht vor dem Ortseingang sind viele Flächen noch mit Nato Stacheldraht abgesperrt, es herrscht Fotografierverbot und hin und wieder passieren KFOR Autos. Eine kurze Pause bei dümmlichster Discomusik, dann nach Westen raus. Dichter Verkehr und starker Gegenwind; nicht erfreulich. Mittags eine kurze Salatpause und bald schon die Grenze nach Albanien. Sofort fallen die 1-Mann Bunker auf, die wie Pilze überall auf den Feldern verteilt sind. Wir fahren jetzt auf einer 4-spurigen Autobahn; die Ausfahrt nach Kukes ist unscheinbar und ist nicht ausgeschildert. Zahlreiche Hotels im Ort; wir nehmen Hotel Europa, eines der erstbesten mit DZ für 15,- € bzw. 2000 Leke. Die albanische Währung bekommen wir problemlos per Sparkarte an einem Bankautomat. Ein kleiner Stadtspaziergang lässt uns im sehr angenehmen Gartenrestaurant vom Hotel Shahu landen, offensichtlich ein beliebter Treffpunkt zum Eis Essen und Kaffeetrinken.



Mo 18.7. 71 km Kukes - Fush-Arrez

Weiter auf der (nicht offiziellen) Autobahn, natürlich wieder berghoch. Zwei türkische KFOR Kolonnen, von albanischer Polizei eskortiert, überholen uns. Nach etwa 10 km kommen wir auf die alte Straße nach Shkoder. Sie ist in sehr gutem Zustand, auch wenn der Mittelstreifen nicht mehr zu erkennen ist. Es geht eigentlich immer nur bergauf, zwischendurch mal kurz runter und dann wieder hoch. Wir kommen heute auf 1.600 Höhenmeter. Extrem wenig Verkehr und außer 2-3 Kaffees eigentlich keine Verpflegungsmöglichkeit. Der Ort Fush-Arrez ist ein Mini Kaff, unten in einem Tal gelegen, ein bisschen Speditionsgewerbe und Autoreparaturwerkstätten. Die vielleicht 200 m lange alte Straße verbindet die 2 Hotels des Ortes und wird abends zur Fußgängerzone, Kinderspielplatz oder Flaniermeile und am nächsten Morgen zum Busbahnhof. Ebenso wie in Kukes gibt es auch in Fush-Arrez ein funktionierendes Internetcafé. Die Spaghettis zum Abendessen schmecken billig und pappig, der Wein eher wie Essig und wird anstandslos gegen ein Bier umgetauscht. Das Hotel besteht aus einem Flur mit je 4 Zimmern rechts und links plus einem Bad für alle am Flurende.

Di 19.7. 80 km Fush-Arrez - Shkodra

Bald sind wir in Puke, offensichtlich ein sehr viel größerer und wichtigerer Ort als Fush-Arrez. Bis dort hin ist es eine sehr schöne Gegend. Später wird es kahler, bzw. nur noch wenige Kiefern und es sind keine Wasserläufe mehr zu sehen. Auch unser bisheriger ständiger Begleiter, frisches Quellwasser direkt aus dem Berg, gibt es jetzt nicht mehr. Wieder mal ganz oben auf einem Berg angelangt, sehen wir unten im Tal einen kleinen Ort und ein Haus mit Markise, offensichtlich ein Restaurant. Doch es folgt die Enttäuschung, es gibt nichts zu Essen. Also kaufen wir eine Cola, setzen uns draußen an die Tische und packen unser Picknick aus. Vorbeifahrende Einheimische mit GB Kennzeichen halten kurz um ein gekühltes Getränk zu kaufen, sagen uns "they don't have anything to eat here" und verschwinden wieder.



Natürlich geht es danach nur bergauf, doch es ist nicht mehr so anstrengend. Die Stadt Shkoder liegt dann wieder in der Ebene. Wir nehmen das Hochhaushotel neben der Touristinfo. Eine schicke moderne Eingangshalle und vorsintflutliche Zimmer im 4. Stock. Abends fragen wir uns zur Villa Bekzedi durch, einem besseren Restaurant, essen gut und preiswert.

Mi 20.7. 76 km Shkodra - Virpazar

Heute sehen wir zum ersten Mal andere Radfahrer. Beim Frühstücken am Straßenrand -die Verständigung klappte nicht und statt dem auf der Speisekarte aufgeführten Omelette wurde ein gebratener Käse geliefert, sahen wir 7andere Radler aus dem Ort raus fahren. An dem kleinen Grenzübergang nach Montenegro stauen sich die Autos auf beiden Seiten. Wir schieben uns an ihnen vorbei und werden durchgewunken. Direkt nach der Abzweigung von Vladimir geht es wie gewohnt mal wieder steil nach oben an den Rand des größten Sees auf dem Balkan, dem Shkodra See. Danach in hunderten von Serpentinen immer schön rauf und runter am See entlang. Die Straße ist nur einspurig, aber sehr gut befahrbar. 2 x fahren wir durch einen schönen dichten Esskastanienwald. Zum ersten Mal auf der Tour gibt es einen leichten Nieselregen von wenigen Minuten Dauer; kein Problem bei Temperaturen von über 30°. In Ostros, dem einzigen erkennbaren Ort mit Restaurant, machen wir eine Mittagspause. Das letzte Stück der Strecke nach Virpazar ist besonders schön. Ebenso der Ort selbst, der eigentlich nur aus einer Kreuzung mit 20 Häusern besteht. Doch am Fluss liegen Boote, es gibt eine alte Steinbrücke und alles sieht wie auf der Ansichtskarte aus. Gleich am Ortseingang werden wir abgefangen und uns wird eine private Unterkunft für 30 € angeboten.



Do 21.7. 44 km Virpazar - Cetinje

Erst mal 5 km stramm nach oben; inzwischen geht das schon deutlich einfacher. Eine sehr schöne Strecke mit Blick auf einen See. Erstmals überall auch ausgeschilderte Wanderwege. Nach 23 km kommt die malerische alte Brücke von Rijeka Cernojevica wo sich eine kleine touristische Infrastruktur entwickelt. Wir machen Kaffeepause und essen die obligatorische Fischsuppe. Bis in die alte montenegrinische Hauptstadt Cetinje müssen wir noch mal 670 m hoch. Wir fahren zum Schluss auf der alten Straße, fernab von jedem Verkehr und nur noch rudimentär als Straße zu erkennen. Es gibt wenig Unterkünfte; die Pension 22 bietet ein DZ für 40 €, inkl. WLAN. Die Innenstadt ist klein; überall gibt es Cafés, alles spielt sich draußen ab und das auf und ab Schlendern scheint für die Jugendlichen eine wichtige Beschäftigung zu sein. Kinder üben Autofahren auf großen batteriebetriebenen Spielzeugautos.



Fr 22.7. 64 km Cetinje - Bucht von Kotor bei Perast

Wie üblich geht es weiter berghoch. Nach etlichem Auf und Ab sind wir ganz oben und schauen auf die Bucht von Kotor hinab. Ein großes Segelschiff und Kreuzfahrtschiffe sind zu erkennen. Wir haben nun eine 20 km lange Abfahrt vor uns, die ich nicht in umgekehrter Richtung fahren wollte. In der Stadt herrscht dichter Verkehr und Lärm; nichts wie raus. Tatsächlich gibt es parallel zur stark befahrenen Küstenstraße in den meisten Orten noch eine Uferpromenade ohne Durchgangsverkehr. Dafür müssen wir uns manchmal zwischen den Fußgängern und Badegästen durchschlängeln. Im schönen Ort Perast kriegen wir kein Zimmer mehr, aber etwa 3km außerhalb ein schönes Ferienappartement, jetzt schon für 50 €.

Sa 23.7. 76 km Bucht von Kotor bei Perast bis kurz vor Dubrovnik

Erst an der Küste entlang, meist die untere, gut fahrbare Uferstraße. Doch die Promenade wird immer voller. Radfahren in der vollbesetzten Fußgängerzone ist auch nicht einfach. Zum südlichen Grenzübergang nach Kroatien müssen wir wieder den Berg hoch. Auf kroatischer Seite wird eine neue Straße gebaut. Wir fahren die Parallelstraße zur Hauptverkehrsstraße, kommen durch viele kleine Dörfer ohne Läden oder Restaurants, immer berghoch und runter. 2 x kurze heftige Regenfälle, wir stellen uns jeweils für kurze Zeit unter, 1x bei einem Schweine- und Hühnerstall. Selbst der Wachhund verkriecht sich bei dem Regen in seiner Hütte und ignoriert uns. Bis kurz vor dem Flughafen von Dubrovnik können wir uns von der Hauptverkehrsstraße fernhalten. Bei Cavtat nehmen wir eine Unterkunft und fahren zum Abendessen in den Ort runter. Eine Luxusyacht liegt neben der anderen; man merkt, dass wir bei Dubrovnik sind.



So 24.7. ca. 20 km nach Dubrovnik und per Bus nach Split bzw. der Insel Brac

Nach Dubrovnik rein wieder rauf und runter, diesmal aber auf stark befahrener nerviger Hauptstraße. Wir kommen kurz an der Altstadt vorbei aber ich habe keine Lust, mir noch mehr vom Ort anzusehen, sondern suche den Busbahnhof am Hafen. Für 14:30 kriege ich einen Bus nach Split und darf mein Rad erst einpacken, als ich das Vorderrad rausnehme, den Lenker querstelle und noch mal ca. 10 € zusätzliche 'Gebühr' zahle. Das 30 km Teilstück durch Bosnien-Herzegowina ist unspektakulär; jeweils bei Ein- und Ausfahrt läuft ein Grenzbeamter kurz durch den Bus und lässt sich die Pässe zeigen. Am Hafen von Split angekommen geht es gleich mit der Fähre nach Supetar, wo ich am Abend ankomme.

Mo 25.7. ca. 50 km auf der Insel Brac

Ich fahre etwas auf der Insel rum, bin nachmittags mit anderen Berlinern, Schulfreundin von Feline, an der Uferpromenade und esse bei ihnen zu Abend.

Di 26.7. ca. 50 km zum Flughafen von Split und von Schönefeld nach Kreuzberg

Früh mit der Fähre wieder zurück nach Split und eine nervige Strecke durch Hafen und Industriegebiet aus der Stadt raus, auch mal 2 km echte Autobahn, bis ich auf die alte Straße der Kastelle treffe, die zum Flughafen führt. Fahrrad einpacken und Check-in unspektakulär und problemlos. Gegen 15:00 Uhr bin ich in Schönefeld, baue mein Rad wieder zusammen und fahre bei warmem Sommerwetter wieder nach Hause.


Michael Franke
Vielen Dank an Christian, nicht zuletzt für die (Erstellung der) Streckenführung. Hier die Karten mit Höhenprofilen:
Übersicht:
- Skopje: 1. Tag: vom Flughafen Skopje in die Stadt, 23,6 km
- Skopje - Prevall 2. Tag: 79,2 km
- Prevall - Kukes 3. Tag: 66 km
- Kukes - Fushe Arrez 4. Tag: 67,6 km
- Fushe Arrez - Shkoder 5. Tag: 77 km
- Shkoder - Virpazar 6. Tag: 73 km
- Virpazar - Cetinje 7. Tag: 37,2 km
- Cetinje - Risan 8. Tag: 61,8 km
- Risan - Dubrovnik 9. Tag: 73,6 km